Der Geschichte des Vereins für Bewegungsspiele Bayreuth (1913 - 1969)

 Die Gründung
 Erfolge nach dem Krieg
 VfB geht bankrott
 Die Neugründung
 Der Sportplatz an der Prellmühle entsteht
 Spielbetrieb kam zum erliegen
 Der VfB nach 1945
 Auf dem Weg zur Landesliga
 Der Fussball-Alltag kehrt zurück
 Damenhandball - eine Domäne des VfB
 Die starken Männer des VfB
 Geburtshelfer des Basketball
 Die Jagt nach dem Puck
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Die Gründung
Bereits 1913 war in St. Georgen ein Fussballverein mit dem Namen FC St. Georgen gegründet worden, aus dem dann der VfB hervor ging. Als offizielle Geburtsurkunde kann ein Schreiben vom 10.06.1914 angesehen werden, in dem der Vorstand des Vereins dem Magistrat der Stadt Bayreuth bittet den Klub die Genehmigung zu erteilen.
Bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs übte der Verein seinen Sportbetrieb auf der Sportanlage der Freien Turnerschaft mit aus, bis er schließliich ein eigenes Gelände am damiligen Eisweiher an der Insel in St. Georgen bekam. Mit großer Hingabe waren die Mitglieder bemüht, den Platz in Schuss zu halten, waren aber machtlos, wenn wieder einmal eine Regenperiode das Wiesengelände unbespielbar machte.


Erfolge nach dem Krieg
Der Erste Weltkrieg hinterließ große Lücken in der Vereinsfamilie. Dennoch nahmen die verblieben Mitglieder beherzt die Vereinsarbeit wieder auf. Anfang der Zwanziger Jahre nannte sich der FC St. Georgen dann in VfB (den Verein für Bewegungsspiele e.V. Bayreuth von 1913 um. Die jeweiligen Verantwortlichen des Vereins und die aktiven Sportler brachten den Verein kontinuierlich nach oben. Die sportlichen Erfolge der beiden Herrenmansnchaften und der Jugendmannschaft konnten sich sehen lassen. Im Jahre 1923 errang sich die 1. Mannschaft den Titel des oberfränkisch/oberpfälzischen Pokalmeisters und unterlag dann dem Deutschen Meister 1. FC Nürnberg ehrenvoll. Immer wieder trat aber ein Sportplatzwechsel ein. Auf der oberen Au, an der Hartmannstraße, auf dem Turnerschaftsplatz, überall mussten sich die VfBler herumschlagen, bis sie sich endlich einene eigene Platzanlage schaffen konnten.


VfB geht bankrott
Der neue Platz lag am Flößanger und bestand aus zwei Spielfeldern, die bis zur Äußeren Badstraße (jetziger Volksfestplatz) reichten. Um den Platz war ein durchgehender Bretterzaun gezogen. Sogar eine kleine Holztribüne und Umkleidekabinen fehlten nicht.
Leider waren die Kosten für den Spielbetrieb und für die Unterhaltung der Sportanlage für die Mitglieder zu viel. Der Schuldenberg wuchs immer mehr an und der 1. Vorsitzende des Vereins, Michael Schirmer, sah sich gezwungen, dem Amtsgericht Bayreuth die zahlungsunfähigkeit bekanntzumachen. Mit Beschluss vom 12.06.1930 wurde dann auch über das Vermögen des Vereins der Konkurs eröffnet. Die Erlöse aus dem Vereinsvermögen, vornehmlich aus den auf dem Platz errichteten baulichen Anlagen, reichten nur teilweise zur Deckung der Schulden aus. Wie die Aasgeier stürzten sich die Gläubiger auf alles, was noch Geld bringen konnte. Sogar der Bretterzaun wurde abgebaut. Für den VfB bedeutete dies das Ende seines Bestehens.


Die Neugründung
Mit der Liquidation hatte zwar der alte VfB aufgehört zu bestehen, die Sportler aber hatten sich nicht aus den Augen verloren. Und so gründeten sie am 21.06.1930 einen neuen VfB. Zunächste führte Georg Ort bis 1933 den Verein.
Unter der Regie seines Nachfolgers Friedrich Münch blühte der VfB regelrecht auf. Trainiert wurde 2x wöchentlich auf dem Turnerschaftsplatz an der Hindenburgstraße und dann ab 1933 auf dem SA-Sportplatz (ehemals Tuspo). Bald zeigten sich die Erfolge der guten Trainingsarbeit und es war nicht verwunderlich, dass der VfB schnell zu einem leistungsstarken Fussballverein in Nordbayern wurde.


Der Sportplatz an der Prellmühle entsteht
Ein Dorn im Auge des Vorstands war die Tatsache, dass die Mannschaften immer noch auf fremden Plätzen spielen musste.Mit großer Beharrlichkeit und viel Verhandlungsgeschick erreichte Münch, dass die Stadt dem Verein ein geeignetes Grundstück an der Prellmühle, in Erbpacht überließ. Schon im Jahre 1935 wurde mit dem Bau der Sportanlage begonnen. Die Einweihung des Sportgeländes erfolgte am 23. und 24.08.1936. Die neue Sportanlage beflügelte die Sportler - die erste Mannschaft spielte in der Bezirksliga gegen Teams wie Bayern Hof, VfL Selb, FC Münchberg, Sparta Karlsbad,...


Spielbetrieb kam zum erliegen
Nach Ausbruch des Krieges kam der reguläre Spielbetrieb nach und nach zum Erliegen. Zum Ende des Krieges stagnierte der Vereinsfussball vollendens. Die wenigen noch zur Verfügung stehenden Spieler, meistens Fronturlauber aus allen Bayreuther Sportvereinen, spielten in der KGS (Kriegssportgemeinschaft) in Freunschaftspielen gegen andere oberfränkische Mannschaften.
Die Jugendarbeit des VfB war von der allgemeinen Entwicklung weniger betroffen. Nachdem bereits 1939 die erste Jugendmannschaft Gebietsmeister der Bayerischen Ostmark wurde, gelang es ihr 1942 als "Bann- und Gebietsjugend" bei der Großdeutschen Jugendmeisterschaft in Breslau unter die letzen Vier zu kommen.


Der VfB nach 1945
Sofort nach Kriegsende lebte der VfB wieder auf. Genau wie nach dem 1. Weltkrieg musste Stein für Stein alles neu aufgebaut werden. Die gelichteten Reihen mussten geschlossen und der Spielbetrieb wieder in Gang gesetzt werden. Zum Glück verfügte man diesmal über ein eigenes Spielfeld, wenn isch dieses auch in einem trostlosen Zustand befand. Bereits Ende 1945 konnte aber durch die Hilfe vieler Mitglieder wieder die ersten Spiele darauf stattfinden.
Die 1. Jugendmannschaft holte eine Meisterschaft nach der anderen und 1949 wurde sie Oberfränkischer Meister.
Kaum hatte man sich von den Nachkriegswehen etwas erholt, wurde auf einer Mitgliederversammlung der Neuausbau des Sportplatzes beschlossen. Es wurde der Bau eines vereinseigenen Sportheims verwirklicht. Am 29.05.1950 konnte der Vorsitzende Fritz Münch die Einweihung vornehmen.


Auf dem Weg zur Landesliga
Langsam, aber sicher wuchs der VfB über das Niveau der Kreisliga hinaus. 1952 konnte nach einem 2:0 Erfolg über die SpVgg Hof die Kreismeisterschaft gefeiert werden und so stand der VfB an der Schwelle zur Bayerischen Landesliga. In der anschließenden Aufstiegsrunde stand bereits am vorletzten Spieltag fest, dass Bayreuth nach dem FC mit dem VfB einen weiteren Vertreter in die höchste Amateuerliga Bayerns entsenden konnte.
Im Spieljahr 1955/56 gelang aus einer Gruppe gleichstarker Teams dem VfB die Meisterschaft in der inzwischen geteilten Landesliga. Das Endspiel um die Bayerische Meisterschaft konnte nicht spannender sein. Das erste Spiel gegen den ESV Ingolstadt ging mit 3:0 verloren, das Heimspiel wurde 2:1 gewonnen. Der Stichkampf in Nürnberg vor 8.000 Zuschauern wurde in der Verlängerung durch ein Tor von Jumbo Zeitler entschieden - 1:0 Sieg für den VfB ! Leider wurde in der anschließenden Aufstiegsrunde zur 2. Vertragsliga Süd der Aufstieg verpasst.


Der Fussball-Alltag kehrt zurück
Die mit der Erringung der Bayerischen Amateurmeisterschaft verbundenen hochgeschraubten Erwartungen konnte der VfB in den folgenden Jahren nicht erfüllen. Es folgte ein Einbruch - Erfolge blieben aus. 1958 verließ Jumbo Zeitler den Verein und schloss sich der SpVgg Bayreuth an. So war der Abstieg Ende der Spielzeit 1960/61 in die Bezirksliga nicht aufzuhalten.
1960 wurde die Sportanlage des VfB an der Prellmühle gründlich renoviert. Die Rasenfläche wurde neu gesät, der Eingang und der Vorplatz wurden geteert, die Stehränge wurden begradigt und das Sportheim wurde renoviert.
Zwei Fliegen auf einen Streich brachte die Verbandsserie 1962/63. Zunächst die Meisterschaft in der 2. Amateurliga Oberfrangen und dann den Aufstieg in die Landesliga Nord. Aber bereits 1965/66 musste der VfB wieder aus der Landesliga absteigen. Bis zur Fusion mit dem Tuspo im Jahre 1969 war der VfB zwar stets im Vorderfeld der Bezirksliga Ost zu finden, der Wiederaufstieg in die Landesliga blieb ihm aber verwehrt.


Der Fussball-Alltag kehrt zurück
Die Handballabteilung wurde im April 1946 mit einer Herrenmannschaft von Elias Kühlein gegründet. Während die Herren über ein Mittelmaß nicht hinauskamen und Anfang der 50er Jahre wegen Spielermangel sogar den Spielbetrieb einstellen mussten, eilten die Handballdamen von erfolg zu Erfolg. Bereits 1949 holten sich die Damen den Bezirksmeistertitel.
1951 übernahm Franz Deisenrieder die Handballabteilung, die er bis zu seiner Berufung zum Bezirksleiter des Bezirks Oberfranken im Jahre 1955 mit großem Erfolg betreutel. Sein Nachfolger war Erich Gräfe, der die Abteilung über 20 Jahre führen sollte. Damals waren es 30 Spielerinnen, die sich aktiv betätigten. Neun Jahre errangen die Damen hintereinander die Bezirksmeisterschaft - die Erringung der Oberfränkischen Meisterschaft bieb ihnen jedoch versagt.
1957 wurde wieder eine männliche Jugend angemeldet, die 1959 bereits Kreismeister wurde. In der Spielzeit 1960/61 wurde wieder eine Herrenmannschaft gemeldet. Bis zur Fusion spielten die Damen immer in der Landesliga Nord, die Herren- und Jugendmannschaft jeweils in der Kreis- bzw. Bezirksliga.


Die starken Männer des VfB
Nach dem Zusammenschluss mit dem Kraftsportverein Bayreuth im August 1950 hatte sich im VfB eine Kraftsportabteilung gebildet. Es wurde Rasenkraftsport, Ringen und Boxen betrieben. Noch 1950 machten die Rasenkraftsportler auf sich aufmerksam: Es war Heinz Schulz und Herbert Behr gelungen den Deutschen Meister Titel nach Bayreuth zu holen. Es war eine Sensation - der Rasenkraftsport war eine Dreier-Disziplin und bestand aus Hammerwerfen, Steinstoßen und Gewichtwerfen. Durch intensives Training von Eugen Herkommer blieben weitere Erfolge nicht aus. So stellte der VfB in den folgendne Jahren fast abonnementsmäßig oberfränkische, bayerische und deutsche Meister. Mitte der 50er Jahre war der Höhepunkt überschritten und die Sportart verlor allgemein an Bedeutung.
Die meisten der Ringer- und Boxriege waren vom Kraftsportverein gekommen. Das Interesse der neuen Sportarten war beim VfB riesengroß, der Mitgliederstand in beiden Riegen wuchs sprunghaft an. Aber 1956 wechselten die Ringer zum Athletikclub Bayreuth, weil sie dort ihrer Meinung nach bessere Voraussetzungen für ihre Sportart vorfanden.
Auch die Boxabteilung konnte nur wenig Aufmerksamkeit erringen. So konnten sie nicht vor heimischen Publikum in den Ring steigen, da ein solcher erst einmal angeschafft werden musste. Als dieser dann angeschafft war, erlebte er kaum noch Veranstaltungen, da sich die Abteilung Mitte der 50iger Jahre wieder auflöste.


Geburtshelfer des Basketball
Sportlehrer Werner Pietschmann kam 1954 von einem Studienaufenthalt in den USA ans Deutsche Gymnasium (heute MWG) nach Bayreuth zurück. In den Staaten hatte er Basketball kennengelernt. Mit den Schülern seiner Schule übte er fleißig die neue Sportart und baute mit Horst Bär eine erste Schülermannschaft auf. Im September 1956 schloss sich Pietschmann mit seiner Crew dem VfB an. Gespielt wurde anfangs in der Rotmainhalle, die sich natürlich nur bedingt dafür eignete. 1957 zählte Pietschmann als Leiter der Abteilung bereits 53 Mitglieder. Mit je einer Männer- und Jugendmannschaft beteiligten sich die Basketballer an den erstmalig 1956 in Oberfranken ausgetragen Rundenspielen. Am Ende der Spielzeit erreichte man die Teilnahme an der Bayerischen Meisterschaft. Ein vielversprechender Anfang war gemacht.
In der Folgezeit wurden die VfB-Basketballer auf Bezirksebene mehrmals Meister, mussten aber auf den Spielbetrieb in der Landesliga aus Kostengründen verzichten. 1963/64 nahmen nicht weniger als fünf Teams des VfB am Spielbetrieb teil. Die Aufwärtsentwicklung wurde jäh unterbrochen, als 1964 der Großteil der Seniorenspieler den VfB verließen und sich dem Post-SV anschlossen. Sie warfen dem VfB-Vorstand vor, durch mangelnde finanzielle Unterstützung das sportliche Weiterkommen der Abteilung zu verhindern. Trotz des Aderlass bestand die Abteilung weiter - Werner Pietschmann stetzte seine erfolgreiche Nachwuchsarbeite fort. Die VfBler mussten aber mit ansehen wie ihre einstigen Mannschaftskameraden unter der Flagge des Post-SV (später bis zur Bundesliga) von Erfolg zu Erfolg eilten. Sie selber kamen nicht über Mittelmaß hinaus.
Bei der Fusion zum BSV wurde der Spielbetrieb der Abteilung mangels Spieler eingestellt.


Die Jagt nach dem Puck
Mit Kurt Loydl, einem Eishockey Pionier, begann 1956 für den VfB der Aufstieg zum dominierenden Eishockeyverein in Bayreuth. Der VfB errichtete an der Südseite seines Sportgeländes an der Prellmühle ein Natur-Eishockeyfeld in der Größe von 30x60 Meter mit hohen Banden und einer 15.000 Watt-Lichtanlage ! An Tagen vor Spielen arbeiteten die Verantwortliche mit ihren Helfern oft nächtelang an der Herstellung einer brauchbaren Eisfläche. Schon beim geringsten Ansteigen der Temperatur spielte man aber mehr Wasserball als Eishockey. Trotz aller Mißlichkeiten waren die Voraussetzungen für den Eishockeysport dennoch erheblich verbessert worden.
Die sportliche Entwicklung war mehr als erfreulich. Man spielte zunächst in der Bezirksliga, 1960 stieg man in die Oberfrankenliga auf, in der 1961 der für den Aufstieg zur Landesliga so wichtige Meistertitel geholt wurde. Das Entscheidungspiel gegen Füssen ging leider verloren und man verpasste den Aufstieg in die zweithöchste Liga.
Der Wunsch nach einem Kunsteisstation wurde immer lauter. Der VfB-Vorstand Richard Müller ließ 1961 verlauten: Der VfB will mit 600.000 DM auf dem Gelände des jetzigen Eislaufplatzes zwischen Main und Mühlbach ein Eissportstadion errichten. Die Pläne für das Stadion waren fertig, inklusive Tribünenhänge für 5.000 bis 6.000 Zuschauer konzipiert. Die Finazierung des Vorhabens war zur Mitgliederversammlung vom 25.03.1961 weitgehend gesichert. Leider ließ OB Hans-Walter Wild den VfB wissen, dass die Stadt zunächst den Ausbau der Schwimmschule mit dem neuen Hallenbad verwirklichen müsse, bevor sie sich für das Kunsteisstadion engagieren könne. Das bedeutete, dass momentan keine finanzielle Unterstützung durch die Stadt zu erwarten war. Dessen ungeachtet wurden vom VfB die Planungen weitergeführt und als Termin der Fertigstellung der 01.10.1962 genannt. Noch im Februar 1961 begrüßte der OB den Bau - doch kurze Zeit später wartne er den VfB vor einem Alleingang und solchem Experiment, das den Ruin des Vereins bedeuten könne. Auf Grund dieser Aussage und dem plötzlich geforderten Nachweis von Parkplätzen durch die Stadt, sprangen einige Geldgeber ab und das Projekt wurde eingestampft.
Enttäuscht und von allen in Stich gelassen reagierten die Eisportler. Die Abteilung löste sich 1963 auf.




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